Die Corona-Krise hatte die Arbeitskräftelücke in den MINT-Berufen kurzzeitig verringert. Doch noch vor dem Ende der Pandemie nähert sich der Fachkräftemangel wieder dem Vorkrisenniveau, zeigt eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft. Und die Situation dürfte sich noch weiter verschärfen.

Der Fachkräfteengpass in den MINT-Berufen nähert sich laut einer Bedarfsanalyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wieder dem Vorkrisenniveau an. Zu diesen Berufen zählen Fachkräfte in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik unterteilt in 36 Berufskategorien.

Durch den konjunkturellen Einbruch in den ersten Monaten der Pandemie hatte sich die Nachfrage nach Personen mit einer MINT-Ausbildung zunächst deutlich verringert, wodurch es auch weniger unbesetzte Stellen gab. Die Arbeitskräftelücke verkleinerte sich daher, allerdings nur bis zum September 2020. Zu diesem Zeitpunkt betrug sie nur noch 45,9 Prozent des langjährigen durchschnittlichen Septemberwertes, lag also nur nach bei gut der Hälfte.

Wie die neue IW-Bedarfsanalyse nun zeigt, bestand im April 2021 eine Arbeitskräftelücke in Höhe von 145.100 Personen, fast 40.000 mehr als im September 2020 und knapp 68 Prozent des langjährigen April-Durchschnittswertes. Bei den akademischen MINT-Berufen befindet sich der ungedeckte Bedarf an Arbeitskräften mit 91 Prozent beinahe vollständig auf Vorkrisenniveau. Der größte Engpass zeigt sich in den Energie- und Elektroberufen mit 48.200, in den Bauberufen mit 31.000 und den IT-Berufen mit 29.000 fehlenden Arbeitskräften.

Zukünftige strukturelle Hürden verschärfen den MINT-Engpass

Zusätzlich zur absehbaren konjunkturellen Erholung kommen strukturelle Effekte auf den MINT-Arbeitsmarkt zu. Zum einen wird der demographische Wandel das Personalangebot bremsen. Bis 2030 werden jährlich 330.000 Facharbeiter und Fachakademiker altersbedingt ausscheiden. Die Zahl der Berufseinsteiger wird diesen Ersatzbedarf nach aktueller Einschätzung nicht decken.

Ein verringerter Nachwuchs an MINT-Berufseinsteigern wird laut IW-Analyse zum Beispiel dadurch bestehen, dass von Seiten der Hochschulen vermehrt Studienabbrüche zu befürchten sind. Gründe dafür sind Unsicherheiten durch abgesagte Praktika und Probleme bei der Studienfinanzierung. Im Jahr 2020 nahm auch die Anzahl an Bildungsausländern ab, die für ein Studium nach Deutschland kommen. In den MINT-Fächern sei dieser Anteil aller Studierenden hoch, sodass die Gesamtzahl der Studierenden im ersten Hochschulsemester stark zurückgegangen ist.

Zum anderen deuten die Digitalisierung und neuen Klimaziele daraufhin, dass die Unternehmen in erheblichem Umfang zusätzliches Fachpersonal benötigen. Eine von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegebene Kurzstudie ermittelte, dass bis 2030 circa 450.000 Fachkräfte dafür benötigt werden, den hochgerechneten Investitionsbedarf für eine klimaneutrale Neuaufstellung der großen Wirtschaftssektoren umzusetzen.

Das IW empfiehlt die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen voranzubringen, die MINT-Bildung an Schulen zu stärken sowie mehr Frauen für MINT-Berufe zu gewinnen.

Der MINT-Frühjahrsreport 2021 ist auf der Website des IW Köln einsehbar.

Quelle: https://www.personalwirtschaft.de/recruiting/artikel/mint-report-2021.html?utm_source=+CleverReach+GmbH+%26+Co.+KG&utm_medium=email&utm_campaign=2021-kw23-pwt-nl&utm_content=Mailing_13908554

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